Fleischbällchen im Glas

Fleischbällchen im Glas

Kennst du das auch? Viertel vor Zwölf, die Kinder im Anflug und noch nichts gekocht? Meine Lösung ist dann ein “schneller Einkauf” in meinem Kellerladen. Da stehen immer Nudeln in irgend einer Form. Wenn ich etwas früher dran bin, dann auch gerne Reis. Und es stehen immer mal wieder Gläser mit Hackfleischbällchen da. Die werden vom Teenager heiss geliebt.

Das Menü heute

Nudeln und Fleischbällchen an Tomaten-Gemüsesauce à la Frau Rührwerk. Dann habe ich Kohlenhydrate, Eiweiss und Gemüse, perfekt für den Grossen. Und natürlich muss noch Reibkäse dazu. Ja klar, ist weder Vegan noch Vegetarisch. Könnte man sicher auch mit Haferflocken-Bällchen machen. Das werde ich dann demnächst einmal testen.

Kleine Menü-Änderung, oder die Katastrophe im Keller

Tja, ganz ehrlich: Heute geht es schnell, dachte ich. Aber es ging nicht schnell. Es war ziemlich grauslig, um ehrlich zu sein. Ja auch bei mir geht mal etwas schief. Und das ging richtig schief! Da standen noch 4 Gläser mit Fleischbällchen. Die Betonung liegt auf “standen”. Die Laschen der Weckgläser standen nämlich horizontal und nicht nach unten, wie sie sein müssen, wenn die Gläser zu sind.

Alle 4 Gläser haben das Vakuum verloren. Aber warum, das ist hier die Frage. Schade um das schöne Produkt und die teuren Zutaten. Aber eigentlich ist auch gut, wenn bei mir auch einmal etwas nicht funktioniert, dann kann ich nach Ursachen forschen.

Ursachenforschung nach 5 Punkten

  1. Habe ich alle Hygienemassnahmen eingehalten?
  2. Habe ich nur frische Zutaten verwendet?
  3. Habe ich das Produkt korrekt zubereitet?
  4. Habe ich das Produkt korrekt eingekocht?
  5. Hatten alle Gläser ein Vakuum, bevor ich sie in den Keller gestellt habe?

1. Hygienemassnahmen

Ich habe alle Gläser noch einmal heiss gespült und im Backofen für min. 10 Minuten bei 100° C sterilisiert. Das mache ich wirklich konsequent immer. Weil ich, als ich in einem Jahr etwas nachlässig war, immer mal wieder Ausfälle hatte.

Die Küche habe ich vorgängig geputzt. Die die Küchenwäsche habe ich frisch gewechselt. Meine Hände selbstverständlich vor der Zubereitung sauber und mit Seife gewaschen. Daran kann es also nicht gelegen haben.

2. Die Zutaten für die Fleischbällchen

Das Rindfleisch

Das gehackte Rindfleisch war vom Haus mit dem orangen M. Ich nehme an, es war frisch. Das ich als Konsumentin ja nicht kontrollieren. Hat auf jeden Fall gut gerochen und auch gut geschmeckt. Wie das Tier gelebt hat, kann ich auch nicht nachvollziehen. Könnte ein Verdächtiger sein.
Letztes Mal hatte ich es frisch beim Metzger geholt. Da wusste ich, dass ich eine gute Qualität habe. Aber leider ist das Geschäft infolge Pensionierung nur noch 1x pro Monat auf Vorbestellung geöffnet.

Das Paniermehl

Das Paniermehl war nicht selber gemacht. Es besteht aus Hartweizenmehl, Hefe, jodiertem Kochsalz, und das Mehl wurde mit Ascorbinsäure behandelt. Wahrscheinlich nicht optimal. Ob es sich bei der Hefe um inaktivierte Hefeflocken handelt oder um die verbackene Hefe, kann ich nicht nachvollziehen. Könnte auch ein Verdächtiger sein.

Die Eier

Ein Ei von den Hühnern, die immer am Mittwoch die Bioeier in meinen Briefkasten legen.
Wenn du jetzt denkst: Ha! Eier kann man nicht einkochen, hast du zwar recht, aber da ich die Fleischbällchen gebacken habe, ist das Ei nicht das Problem.

Die Zwiebeln und die Petersilie

Die Zwiebeln habe ich gehackt und zusammen mit der Petersilie mit etwas Olivenöl gut gedämpft.

Die Petersilie habe ich vorgängig gut gewaschen, und ebenfalls gehackt. Ja ich weiss, das könnte einer der Verdächtigen sein. Allerdings habe ich eine Bohnenpaste mit Petersilie vom Mai im Keller, die ist auch nach 6 Monaten bombenfest verschlossen. Du hast aber auch recht: Nicht richtig durchgegart, kann sie zum Problem werden.

Die Fleischgewürzmischung

Das könnte auch ein Problem sein, je nach Inhaltsstoffen. Ich habe eine von d&b Food Manufaktur, dort hat es nur Gewürze und Salz drin und darum geht die geht problemlos.

Die Verdächtigen

Das Fleisch, die Petersilie oder das Paniermehl sind die eruierten Verdächtigen. Aber wer weiss das schon so genau? Es hat auf jedenfall so gestunken, dass ich es schnell im Abfall entsorgt habe.

3. So habe ich die Fleischbällchen zubereitet

Ich habe alle Zutaten vermengt, mit etwas Olivenöl an den Händen kleine Bällchen geformt und auf ein Backblech mit Backpapier abgesetzt. Anschliessend habe ich diese bei 200°C im Ofen durchgebraten. Das mache ich übrigens immer so. Auch beim Hamburgerbraten ist der Ofen das Gerät meiner Wahl. So sind alle zur gleichen Zeit gut durchgegart, ohne anzubrennen. Und ich kann mich entspannt um alles andere kümmern.

4. So habe ich die Fleischbällchen eingekocht

Ich habe die duchgebratenen Fleischbällchen auf die Gläser verteilt und diese gut verschlossen. Anschliessend wurden sie 2x innert 24-48 Stunden bei 100°C im Combisteamer eingekocht.

Und für alle die jetzt schreien “2x einkochen ist falsch!” habe ich hier die beiden wichtigsten Artikel zum Thema: Botulismus – Eine Gefahr die wir kennen müssen und Was für 2x einkochen spricht. Darum koche ich 2x ein und das ist auch der Standard, der von der Bäuerinnenschule und vom Institut für Lebensmittelsicherheit empfohlen wird. Ja, ich weiss, dass das Ganze auf den Sozialen Medien ein regelrechter Glaubenskrieg ist. Mach einfach das, was für dich richtig ist. 2x oder 1x mit 100°C für 120 Minuten, wie es oft empfohlen wird. Die Verantwortung für die Gläser ist sowieso allein bei dir.

5. Hatten alle Gläser ein Vakuum, bevor ich sie in den Keller gestellt habe?

Ja, es waren alle Gläser richtig verschlossen und wurden ohne Klammern ins Kellerregal geräumt.

Dort haben sie 4 Wochen gestanden. Die ersten 3 Gläser hatten wir schon bald gegessen. Die waren auch noch einwandfrei. Aber die letzten 4 Gläser mit den Hackbällchen habe ich heute mit offenen Deckeln im Regal gefunden. Noch hat es ausserhalb nicht gestunken, dass ich sie wegen des Gestanks entdeckt habe. Aber spätestens beim Deckelabnehmen war klar, dass wir die nicht mehr essen können. Wäcks!

Und zum Schluss noch dies

Es wird wohl länger gehen, bis ich wieder eine Versuch mit den Fleischbällchen im Glas wage. Ich werde den Vorrat einfach portionenweise einfrieren. Dann kann sie mein Sohnemann einfach kurz in der Tomatensauce aufkochen.

Aber mein Rezept verrate ich dir trotzdem allem das Rezept für die Fleischbällchen. Ob du sie einweckst oder einfrierst, das überlasse ich dir. Die Mengenangaben sind allerdings eher “Pi mal Handgelenk”. Die Masse muss einfach gut abgeschmeckt werden. Dann passt es auch nach dem Braten im Ofen.

Ich wünsch dir einen schönen 2. Advent und grüsse herzlich aus der Schreibküche

Frau Rührwerk


Fleischbällchen

Zutatenliste

1 kg Rinderhackfleisch
1-2 Stück Zwiebeln
200 g Paniermehl
1 Bund Petersilie
2 Eier
optional 1-2 Karotten und 1 kleine Zucchini
Gewürzmischung für Fleisch
Olivenöl oder ein anderes Bratöl zum Formen der Bällchen


Was wir auch brauchen

  • Rüstbrett, grosses, scharfes Messer
  • 1 Grosse Schüssel zum Mischen der Zutaten
  • 1 kleiner Teller
  • 1 Blech mit Backpapier ausgelegt

Vorgehen

  1. Zwiebeln fein hacken, Petersilie waschen, gut abschütteln und ebenfalls hacken.
    Wer gerne noch Karotten oder Zucchini beigibt, schält die Karotten, wäscht die Zucchini und raffelt beides fein.
  2. Das Fleisch in eine grosse Schüssel geben, alle Zutaten (ohne Öl) beigeben und alles von Hand gut zu einer Masse vermischen. Mit der Gewürzmischung abschmecken.
  3. Hände waschen, etwas Öl auf einen kleinen Teller geben und die Hände damit netzen. Von Hand Kugeln aus der Masse formen und diese auf das mit Backpapier ausgelegte Blech setzen.
  4. Im Ofen bei 200°C oder mit der Umluft-Grill Funktion gut durchbraten, bis sie etwas Farbe angenommen haben.
    Um zu prüfen ob sie durchgebraten sind, muss man unbedingt eins probieren 😉

Einkochen oder Einfrieren

Im Steamer oder im Wasserbad: gleich nach dem Backen noch heiss in Gläser füllen, gut verschliessen und bei 100°C 2x für 60 Minuten, im Abstand von 24-48 Stunden, einkochen.

Alternativ kann man sie auch portionenweise einfrieren, was ich nach dem oben erlebten Misserfolg wohl für einige Zeit machen werde. Beim Einfrieren gelten spezielle Haltbarkeitsregeln, diese findest Du hier.


Serviervorschlag

Wenn du sie im Glas konserviert hast, ist es ganz wichtig, sie vor dem Verzehr noch einmal gut durchzukochen. Am besten in einer leckeren Tomatensauce. Das funktioniert auch wunderbar, wenn du sie eingefroren hast, dann sind sie anschliessen gleich aufgetaut und verzehrfertig. Dazu serviere ich Reis, Spaghetti oder auch mal eine Scheibe frisches Brot. Guten Appetit wünsche ich.


2 Idee über “Fleischbällchen im Glas

  1. Dagmar Seelbach sagt:

    Hallo Karin
    Das Problem in dem Fleischbällchen Rezept ist das Paniermehl, beim Einkochen nie Brot oder Brotzubereitungen verwenden. In Verbindung mit der Feuchtigkeit im Hackfleisch fängt das Brot an zu gären und öffnet so die Gläser. Darum kann man z.B. auch keine Semmelknödel einkochen. Brotteig und Kuchenteig werden ausgebacken und funktionieren daher hervorragend.
    Liebe Grüße

    • Frau Rührwerk sagt:

      Hallo Dagmar,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Das kann gut sein. War auch mein erster Verdächtiger. Ich werde es nächstes Mal auf jeden Fall weglassen.
      Wobei ich auch schon Rezepte gesehen habe explizit für Semmelknödel. Aber da diese in der Schweiz eher fremd sind, werde ich das auch gar nicht angehen. Wobei es aus “Forschungszwecken” ja schon interessant wäre 😉
      Liebe Grüsse
      Karin

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