Das Juni-Buch: Haltbarmachen im Glasumdrehen

Buch auf Bank

Vom entspannten Einlegen bis zur prickelnden Fermentation:
in 90 Rezepten durch die Vorratskammer

Ein wenig lachen muss ich ja schon, ob diesem Titel. Ist es doch das Umdrehen der Gläser das immer mal wieder zu veritablen “Shitstorms”, wie man Neudeutsch sagt, führt. Das habe ich ja vor einem Jahr selber getestet und erlebt, dass ich gemeldet wurde. (Hier gehts zu “Das Verbrechen der umgedrehten Gläser”).
Haltbarmachen im Glasumdrehen ist ein ganz neu im Löwenzahn Verlag erschienen und wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt. Aber natürlich bin ich zu nichts verpflichtet und kann ganz frei schreiben. Alles andere wäre für mich auch nicht stimmig.

Darum gleich zum Buch

Geschrieben hat es Sue Ivan. Die selbst und in Zusammenarbeit mit Sonja Priller fotographiert hat. Erschienen ist es wie erwähnt im Löwenzahn Verlag, Innsbruck und verfügt über 250 Seiten. Der Verlag hat übrigens verschiedene spannende Bücher rund ums Thema Vorrat oder auch Garten, bis hin zu Selbstversorgung. Bücher rund ums nachhaltig leben, wie es der Verlag selbst umschreibt.

Die Autorin

Sue Ivan beschreibt sich selber in der Einleitung als nicht so ambitionierte Köchin, aber als leidenschaftliche Gärtnerin. Sie ist sozusagen Autodidaktin und macht alles was sie anfängt mit grosser Begeisterung. Sie ist praktisch aus Not zum Haltbarmachen gekommen, weil ihr das Gemüse und Obst buchstäblich über den Kopf gewachsen ist.

So hat sie angefangen wie viele von uns: Sie hat Marmelade eingekocht und hat dann Schrittweise ihr Repertoir ausgeweitet und paralell ihren Garten angepasst. Minimaler Aufwand, maximale Ausbeute schreibt sie im Vorwort.

Sonja Priller die fotographisch am Buch mitgearbeitet hat, ist eine Wiener Fotographin, die sich vorallem auf Food und Naturfotographie spezialisiert hat. Ich finde sie hat ein gutes Auge und endlich liegen mal nicht alle Zutaten verstreut auf dem Tisch. Was für eine Wohltat.

Zum Inhalt

Das Buch ist in 4 Teile aufgeteilt:

Die wunderbare Welt des Konservierens

  • Vorwort
  • Beschaffung der Zutaten und schnelle Rezepte
  • Erklärung zu Mikroorganismen
  • Hygiene

Eine Vorratskammer zum VerliebenEinkochen

  • Lagerung
  • Einfrieren
  • Dörren
  • Heiss einfüllen
  • Haltbarmachen durch Einkochen
  • Einlegen
  • und zum Schluss noch Fermentieren

In 90 Rezepten durch die Vorratskammer (der Rezeptteil)

  • Haltbarmachen von Obst
  • Haltbarmachen von Gemüse
  • Salze, Butter, Pasten
  • Sauerteig
  • Eier

Wegweiser durchs Buch

  • Glossar
  • Alphabetisches Zutaten- und Rezeptregister
  • Bezugsquellen
  • Buchempfehlungen

Wer es eilig hat, kann hier zum Fazit springen

Das Vorwort: Wie alles begann

Hier beschreibt sie die Geschichte, wie sie über den Garten zum Haltbarmachen gekommen ist. Sie nimmt die Leser mit auf die Reise, die sie gemacht hat. Motiviert und lädt ein, auszuprobieren. Und natürlich bricht sie auch eine Lanze fürs Vorrathalten.

Sie fasst Haltbarmachen ganz einfach in 3 Punkten zusammen:

  1. Geschmacklich genial und experimentell.
  2. Wenn es mal schnellgehen muss, ist immer etwas da
  3. Zero Waste, haltbarmachen statt wegwerfen.

Und sie motiviert, einfach loszulegen. Das finde ich mal ein tolles Vorwort. Fast wie ein Gespräch zwischen ihr und der Leserin. Sie verspricht einfache Dinge, und arbeitet auch ganz fest mit Aromen, die sie konservieren will. Mich hat es gleich gepackt.

Bei allem, was sie beschreibt, erzählt sie auch von ihren Misserfolgen, was sie sehr sympathisch macht und eine hervorragende Technik ist, um etwas bildlich zu vermitteln. Mir fällt auf, dass sie manche Dinge auch nur heiss einfüllt, wie zum Beispiel die eingelegten Zwiebeln. Allerdings passt sie dann auch entsprechend die Haltbarkeit an. Da würde ich mir noch einen Hinweis aufs Einkochen wünschen.

Eine Vorratskammer zum Verlieben

Ein sehr wichtiges Kapitel, in dem sie sehr viele Fragen zum Thema Lagerung beantwortet. Denn sind wir mal ehrlich, das tollste Buch nützt nichts, wenn du die Haltbarkeiten nicht kennst. Sie nimmt auch das Thema “Heissabfüllen” auf und erklärt wie es funktioniert. Vielleicht ist das ein Grund für dich das Buch nicht zu kaufen? Das wird in den Sozialen Medien sehr heiss diskutiert (kleines Wortspiel 😉

Ich finde diese Technik hat nach wie vor ihre Berechtigung und ich bewundere alle, die das problemlos können. Bei mir klappt das leider nicht, darum lasse ich es. Aber gerade bei Essigkonserven klappt es tiptop, weil wir ja den pH-Wert als Mittel zum Haltbarmachen haben. Sie betont auch klar, dass sich das nur für säurehaltige Lebensmittel eignet.

Und natürlich kommt auch mein Steckenpferd, das Clostridium Botulinum aufs Tapet. Ganz unaufgeregt, gut erklärt sie die sichere Handhabung. Und wenn du mehr darüber wissen willst, ist hier der wichtigste Artikel dazu. Dem Einlegen in Öl ist dazu sogar noch eine spezielle Seite gewidmet. Viele wissen nämlich nicht, dass Gemüse in Öl der viel grössere Botulismus-Verursacher ist, als die berüchtigten grünen Bohnen im Glas.

Die Rezepte in Haltbarmachen im Glasumdrehen

Zu jedem Rezept gibt es eine kleine Beschreibung, wo es her kommt, wie es schmeckt und was das Besondere daran ist, oder wozu es passt. So, dass es einlädt es gleich zu testen.

Die Zutatenliste ist untereinander, das Vorgehen dazu paralell auf der rechten Seite. Und endlich schreibt mal jemand die Haltbarkeit hin. Das fehlt nämlich in den meisten meiner Einmachbücher. Aber hier steht sie und auch die Zubereitungszeit, was durchaus hilfreich ist, wenn du schnell machen solltest.

Was mich etwas stört, sind die oft kurzen Einkochzeiten. Ja, die funktionieren durchaus, aber sie sind nur sicher, wenn sie genau stimmen. Das heisst heiss eingefüllt, Wassertemperatur gemessen und Zeit erst ab erreichen der 100°C. Das wäre mir für ein Buch zu unsicher. Da würde ich mich an Standardzeiten halten. Aber richtig gemacht, klappt es auch so, zumal das meistens nicht die einzige Konservierung im Rezept ist. Zum Beispiel: Zucchini-Piccadilli: ist mit Essig und Zucker und wird nur 10 min. bei 100°C sterilisiert. Das wird halten, weil der pH-Wert schon tief ist, und der Zucker das freie Wasser bindet.

Was mir übrigens gleich auffällt, ist dass sie mit immer mit 2:1 Gelierzucker arbeitet und da manchmal die Menge auch noch etwas reduziert. Ich bin zwar kein Gelierzuckerfan, aber das gibt immer noch die besseren Fruchtaufstriche, als mit 1:1 Zucker zu Früchten. Und auch die Wahl der Früchte ist durchaus nicht einfach 0815. Radicio-Marmelade mit kandiertem Ingwer tönt doch sehr spannend, oder?

Zum Layout und zur Aufmachung

Das Buch Haltbarmachen im Glasumdrehen fällt dadurch auf, dass es sehr schön gemacht ist. Der Einband ist von Hand gezeichnet und sehr trendig gestaltet. Wobei er nicht plastifiziert ist, und das in der Küche wohl nicht so praktisch ist, weil er dadurch rasch schmuddelig wirken könnte. Das wird sich zeigen.

Und was mir natürlich sehr gut gefällt, ist da Lesebändchen in Rühr-Werk rot. Ich finde ja, dass das ein Buch immer gleich aufwertet. Und auch das Vorsatzblatt das den Buchdeckel mit dem Buchblock verbindet ist liebevoll mit allerlei gezeichneten Zutaten verziert.

Auf den Fotos fällt mir auf, dass mit den Zutaten sehr sorgfältig umgegangen wird. Nur sehr selten ist etwas um die Gläser verstreut, weil es cool aussieht. Selten mal Beeren, Kräuter oder mal Rote Beetepulver auf einem Muffin. Oft liegen sie sogar auf einem Teller oder Tuch. Dafür gibt es einen Extrapunkt, weil mich der unsorgfältige umgang mit Lebensmitteln in “trendigen” Büchern nämlich oft ärgert.

Mein Fazit zum Buch “Haltbarmachen im Glasumdrehen”

Das Buch ist gut geeignet für Einsteiger und für Profis. Es hat das Potential zu einem meiner Favoriten zu werden, wobei ich dafür noch mehr damit arbeiten muss. Jedes schafft das ja schliesslich nicht 😉

Toll gemacht, schön gestaltet, spannende Rezepte, die beim Lesen nachvollziehbar sind. Die Einkochzeiten eher etwas kurz für den Hausgebrauch, dafür superschön fotographiert. Ich hab sonst gar nix zu meckern, und ich hab wirklich genau hingeschaut.

Von mir bekommt das Buch “Haltbarmachen im Glasumdrehen” 5* von 5*

Vielleicht denkst du jetzt, ich gäbe allen Büchern so viele Sterne. Natürlich nicht. Diese fünf Sterne sind redlich verdient.

Aber wenn eines ganz durchfällt, ist mir ehrlicherweise die Zeit zu schade, das zu besprechen. Unter 3 * fange ich gar nicht an. Die landen höchstens in meinem Schrank, weil sie ein besonderes Thema behandeln.

Noch ein Tipp für den Kauf von Koch- und Einkochbüchern: Es lohnt sich auf jeden Fall sehr, diese doch nicht ganz günstigen Bücher gut anzuschauen, bevor man sie kauft. Ich persönlich gehe dazu ganz gern in den Buchladen und blättere darin. Schliesslich kosten die meisten nicht gerade wenig.

So geht es weiter

Das Buch für die nächste Rezension ist noch nicht ganz festgelegt. Vielleicht ziehe ich einfach eins aus meinem Schrank? Es sind ja zum Glück noch ganz viele da.

Oder vielleicht hast du einen Wunsch? Dann lass es mich wissen. Ein Lieblingsbuch, das ich noch nicht kenne? Ich bin immer auf der Suche nach spannenden Neuzugängen.

Herzliche Grüsse aus der Schreibküche

Frau Rührwerk

2 Idee über “Das Juni-Buch: Haltbarmachen im Glasumdrehen

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